Event-Fotografie A. Tofahrn

Extremes Licht meistern mit DRI (Dynamic Range Increase)

In vielen Situationen kann man sich das Licht nicht aussuchen, und muß mit dem vorlieb nehmen, was gerade vorhanden ist. In Situationen mit extremen Kontrast-Verhältnissen kann das jedoch selbst moderne Digital-Kameras überfordern. Das Problem ist, dass Digital-Kameras einen geringeren Dynamikumfang haben, als Film-Kameras und beide dem menschlichen Auge ohnehin unterlegen sind. Vor allem Nachtaufnahmen erweisen sich mitunter als schwierige Kandidaten.
Arbeiter überbelichtet, Lampen überstrahlt. Umgebung völlig unterbelichtet, Himmel schwarz.
Wenn die Möglichkeit besteht, mehrere unterschiedlich lang belichtete Aufnahmen von der Szene zu erstellen, kann man dem Problem durch Einsatz von DRI ("Dynamic Range Increase") relativ leicht in den Griff bekommen. Anleitungen, wie das genau funktioniert, finden sich im Internet einige, wie auch weiter unten.
Mit ein wenig Übung erhält man mitunter verblüffende Resultate:

Aufgrund einiger Anfragen habe ich mich entschieden, die Welt um eine weitere DRI-Anleitung zu bereichern. Zwar gibt es inzwischen einige Applikationen, welche dies weitgehend automatisch erledigen, ich bevorzuge allerdings den schweren Weg, weil man hier ständig die Kontrolle über alle Parameter behält. Und mit ein wenig Übung ist das dann auch wieder nicht so schwer.
Bei DRI geht es darum, unter extremsten Lichtverhältnissen dennoch ein ansprechendes Bild zu erhalten, denn üblicherweise sind dann einige Teile des Bildes über- andere hingegen unterbelichtet. Wenn z.B. bei Nachtaufnahmen die Lichtquelle in das Bild gerät hat man genau diese Probleme.
Ich habe einmal ein Beispiel ausgewählt, wo auch in der kleinen Darstellung die DRI-Effekte gut sichtbar sind:
Eine solche Szene ist für das menschliche Auge sehr gut erfassbar, jedoch nicht für digitale Kameras, da diese einen deutlich geringeren Dynamik-Umfang besitzen. Macht man nur eine Aufnahme, muß man sich entscheiden, ob man nun die Lampen oder z.B. das Wasser richtig belichtet haben möchte:
Häuser erkennbar, Wasser ohne Struktur, Leuchtkreis überbelichtet. Lichtquelle und Wasser akzeptabel, Rest viel zu dunkel.
Vergleicht man die beiden Aufnahmen mit dem Endergebnis, wird man erkennen, dass die Hausfront dem linken, das Wasser und die Fontänen dem rechten Bild entnommen wurden. Die Kunst liegt nun darin, die verschiedenen Elemente so geschickt zu kombinieren, dass Übergänge so gut wie nicht erkennbar sind. Je nach Bedingungen und Arbeitsweise gelingt dies mehr oder weniger gut.
Um DRI per Hand zu bewerkstelligen, benötigt man mehrere absolut deckungsgleiche Bilder vom Motiv, welche sich ausschließlich in der Belichtungszeit (und nicht in der Blende!) unterscheiden dürfen. Wie viele Bilder letztendlich benötigt werden, hängt vom gewünschten Dynamikumfang ab und von Sensor in der Kamera, wie er auf Überbelichtungen reagiert. Bei der D70 verlaufen überbelichtete Bereiche sehr leicht in benachbarte Pixel und man benötigt ein paar Aufnahmen mehr. Die D200 ist diesbezüglich etwas pflegeleichter. Für dieses einfache Beispiel kommen vier Quellbilder zum Einsatz (D70, 12-24@12, f/9, 6s-0.7s, Weißabgleich Neonlicht):
Dann wird eine Grafik-Software benötigt, welche Ebenen und Transparenz-Masken beherrscht. Erstellen Sie dort ein neues Projekt und laden alle Quelldateien als einzelne Ebenen hinein, die hellste Variante kommt ganz nach unten. Bei Photoshop sieht das dann etwa so aus wie im Bild links.
Die Arbeit beginnt mit der untersten, also hellsten Ebene. Dazu werden alle anderen Ebenen deaktiviert und die unterste Ebene selektiert. Nun werden im Bild alle zu hellen Bereiche ausgewählt. Bei Photoshop gibt es dazu glücklicherweise ein spezielles Werkzeug, welches die Arbeit ordentlich erleichtert:
Nach Bestätigung der Farbbereichs-Auswahl werden die ausgewählten Bereiche wie im Bild angezeigt. Man kann leicht erkennen, daß in diesem Fall zwar die Fontäne, jedoch nicht die restliche Wasseroberfläche ausgewählt wurde. Da ich auch gerne die Oberfläche durch eine der unteren Ebenen ersetzt hätte, habe ich diese im Markierungs-Modus manuell der Auswahl hinzugefügt.
Die fertige Auswahl hat in der Regel noch zu harte Kanten, vor allem dann, wenn Lichter vom Kamerasensor durch Blooming vergrößert wurden. Daher muß der Auswahl nun eine weiche Auswahl-Kante zugefügt werden. Auch dafür gibt es bei Photoshop eine entsprechende Funktion, bei welcher eine Pixelbreite anzugeben ist. Die genauen Werte hängen stark vom jeweiligen Motiv und dem gewünschten Effekt ab. Als Faustregel gilt lediglich, dass diese Breite mit jedem Layer in etwa zu halbieren ist. Im Beispiel wurde für die unterste Ebene 50 Pixel, für die mittlere 25 und die oberste 12 Pixel Breite gewählt. An dieser Stelle kommt man um Experimente leider nicht herum.
Der fertige Auswahlbereich mit der weichen Kante wird dann jeweils der nächst höheren Ebene als Maske hinzugefügt, und zwar so, dass alle nicht in der Auswahl enthaltenen Elemente maskiert werden. Dadurch werden die dunkleren Elemente den unteren Ebenen entnommen, und die dort überstrahlten Bereiche von der darüberliegenden Ebene. Dies wiederholt man nun für alle Ebenen, bei Photoshop sieht das am Ende in etwa so aus wie links. Bereits in der Übersicht kann man erkennen, dass die Maske nach oben immer schärfer wird und dass ich offensichtlich in den beiden unteren Masken das Wasser manuell hinzugefügt habe, sodaß die Wasseroberfläche letztendlich der Ebene 2 entnommen wird.
Abschließend werden die Eben zusammengefügt und der Gesamteindruck ggf. durch Anpassung von Kontrast, Helligkeit, Sättigung noch ein wenig optimiert. Bedenken Sie, dass DRI wenig mit Realismus zu tun hat, sondern eher eine Kunstform darstellt. Entsprechend darf hier auch nach Belieben geschraubt werden.
© 2004-2006, A. Tofahrn